„ES IST SCHÖN ETWAS ZU TUN ZU HABEN, DAS HÄLT MICH WACH UND LEBENDIG.“


Wilhelmine Schmitz ist vielseitig interessiert, umtriebig und ein kommunikativer Mensch. Wir haben mit der 79-Jährigen über ihr ehrenamtliches Engagement im Seniorentreff Yorckstraße gesprochen.


Frau Schmitz, was genau machen Sie in der Gemeinde der Lutherkirche?

In der Yorckstraße organisiere ich die monatlichen Busfahrten. Ich lege die Termine und Ziele fest, dann verkaufe ich die Karten und kümmere mich um die Menschen im Bus. Die Abrechnung mit dem Busfahrer gehört auch zu meinen Aufgaben. Die Tickets kosten zehn Euro, die Busfahrten decken sich, ein paar Euro bleiben übrig. Damit werden dann Aktivitäten wie das Oktoberfest und die Weihnachtsfeier unterstützt.

Seit wann engagieren Sie sich in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes?

Lassen Sie mich mal überlegen… seit circa zehn Jahren. Ich bin da peu à peu reingewachsen. Erst habe ich den Begleitdienst bei den Busfahrten gemacht. Herr Schlicht, der lange Jahre hauptberuflich der Leiter der Yorckstraße war, ist aus Altersgründen ausgeschieden, da hing das auf einmal alles in der Luft. Vieles von dem, was in der Yorckstraße heute stattfindet, basiert auf ehrenamtlicher Tätigkeit. Ich finde es gut und wichtig, dass sich viele Menschen dort ehrenamtlich engagieren.    

Die Ausflüge mit dem Bus sind also Ihr Terrain, was machen Sie noch in der Yorckstraße?

 Freitags spiele ich in der Yorkstraße Bingo, außerdem kassiere ich den Beitrag für das Frühstück, das normalerweise am ersten Mittwoch im Monat stattfindet. Das Frühstück wird von netten Damen aus der Gemeinde organisiert und ist sehr begehrt.

 

Wilhelmine Schmitz, links Anfang der 1940er Jahre, rechts ca. 1957

 

Wie sind Sie auf die Yorckstraße aufmerksam geworden?

Zusammen mit meinem verstorbenen Mann war ich oft im Altenberger Hof zum zum Tanzen. Über eine Bekannte sind wir dann in die Yorckstraße gekommen. Uns hat es schnell ganz gut da gefallen. Und engagiert habe ich mich schon immer, gemeinnützig tätig war ich zeit meines Lebens. Früher fand das in der katholischen Quirinus-Gemeinde statt, da habe ich so einiges gemacht: Ich habe Kommunion-Unterricht gegeben, ich war in der Krankenpflege tätig, ich war im Flötenkreis. Man konnte mich immer für irgendetwas ansprechen. Ich mag Menschen, das ist die wichtigste Voraussetzung für ein solches Engagement, und ich bin ein kommunikativer Mensch, der gern unter Menschen ist.

Haben Sie sich durch Ihr Engagement verändert?

Ja, ich bin selbstbewusster und lockerer geworden. Wer mich heute erlebt, glaubt mir nicht, dass ich früher voller Hemmungen war. Ich bin in einem strengen Elternhaus aufgewachsen, der Vater hatte immer recht. Widerspruch wurde nicht geduldet. Diese Erziehung hat mein ganzes Leben beeinflusst. Dass ich heute frei in ein Mikrofon reden kann, hätte ich früher nie gedacht. Es ist schön, etwas zu tun zu haben, das hält mich wach und lebendig.

 

Wilhelmine Schmitz, rechts, am Frühstücksbüffet im Seniorentreff

 

Auf Ihrem Schreibtisch stehen Computer und Drucker.

Ja, ich habe genug andere Dinge zu tun. Ich helfe meinem Enkel, der ist selbständiger Handwerksmeister. Für den schreibe ich die Rechnungen, und ich kümmere mich um seinen Bankverkehr. Online-Banking kann ich auch. Ich muss immer etwas zu tun haben.

Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben der Wilhelmine Schmitz aus?

Ich suche mir immer Ziele. Montags bin ich zum Beispiel bei der Gymnastik. Ich gehe selber einkaufen, koche mir jeden Tag etwas. Das braucht auch seine Zeit, es geht ja altersbedingt nicht mehr so schnell wie früher; vor allem morgens habe ich eine lange Anlaufzeit. Ich lese regelmäßig eine Tageszeitung, ich lese Bücher, ich gucke die Tagesschau. Und wenn ich in den Radio-Nachrichten etwas Interessantes höre, gucke ich oft im Internet nach und lese da weiter. Außerdem habe ich in der Kölner Philharmonie ein Jazz-Abo, das sind pro Jahr sechs bis sieben Veranstaltungen. Demnächst gehe ich mit einer Freundin ins Senftöpfchen. Meine Interessen sind vielfältig. 

Was möchten Sie unbedingt noch erleben, wohin möchten Sie noch reisen?

Ich bin gerne in Köln, sonst wäre ich ja nicht seit 50 Jahren in dieser Stadt. Aber ich kann mir vorstellen, in Berlin-Kreuzberg zu wohnen. Ich kenne Kreuzberg nicht gut, aber als ich ich einmal dort war, fand ich es sehr sympathisch. Mir hat das Milieu da gefallen. Kreuzberg ist jedenfalls so eine verrückte Idee. Sehr gerne würde ich die nordischen Länder bereisen, da habe ich nur mal kurz reingeschnuppert. Dänemark, das ist ein kleiner Traum für mich. Die Landschaft, das Meer. Das finde ich toll. Ich gucke gerne mal weit und aufs Wasser. Aber das ist vorbei. Ich weiß, dass ich es körperlich nicht mehr kann, das Laufen ist bei mir sehr eingeschränkt. Ich kenne meine Grenzen und bin eigentlich ein zufriedener Mensch. In Köln ist es ja auch schön, an gewissen Stellen.

 

– Das Gespräch führte Martin Weber.


 

Wilhelmine Schmitz im Oktober 2017

 


Zur Person:
Wilhelmine Schmitz, Jahrgang 1938, wurde in Bergisch-Gladbach geboren. Sie ist gelernte Industriekauffrau, war zweimal verheiratet, hat zwei Kinder, einen Enkel und zwei Urenkel. Seit 1963 lebt sie in Köln-Mauenheim.