An der nördlichen Wand des Vorraums findet man eine Tafel mit folgender Inschrift:
"Zur Erinnerung an den vierhundertjährigen Geburtstag des Dr. Martin Luther Mit Hilfe freiwilliger Gaben erbaut 1886 1889 Ein feste Burg ist unser Gott!".
Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der wachsenden evangelischen Gemeinde Nippes der Wunsch nach einer eigenen Kirche laut. Nach großen Finanzierungsnöten gelang es 1885, aus einem Jubiläumsfond zur Erbauung von Lutherkirchen eine große Summe Geld zu bekommen. 1886 konnte endlich nach einem Entwurf von August Albes mit den Bauarbeiten der Kirche begonnen werden die als Nippeser Lutherkirche noch heute ein originales und in Köln einmaliges Beispiel für die Baukunst der Neogotik ist.
Dem Ideal einer evangelischen Kirche des 19.Jahrhunderts entsprach ein ungeteilter Predigtraum, in dem von jedem Platz aus der Blick auf die Kanzel möglich ist.
Hohe, schlanke Pfeiler geben dem Innenraum der Lutherkirche Weite. Der Architekt erzielte diese Wirkung mit einem Kunstgriff: Die gemauerten Kapitelle der Pfeiler nehmen zwar die Last des Gewölbes auf, werden jedoch direkt unterhalb des Kapitells wieder zurückgenommen. Die Pfeiler haben so gerade die statische Mindestbreite, um die Gewölbelast tragen zu können.
Der rote Backstein gibt der Lutherkirche eine ganz eigene, freundliche Atmosphäre. Sie passt zu den Altbauten und alten Industrieanlagen des Viertels und wird von den Menschen als Teil ihres Lebensumfelds angenommen.
Der Backstein hat aber auch eine "typisch evangelische" Geschichte. Im "Eisenacher Regulativ", das 1861 auf einem Kirchentag verabschiedet wurde, findet man 16 Regeln für den Bau evangelischer Kirchen. Der Backstein kommt dabei wegen seiner Dauerhaftigkeit, seiner gliedernden Eigenschaften und Monumentalität zu neuen Ehren. Zahlreiche neogotische Backsteinbauten der "Hannoverschen Bauschule" zeugen vom Erfolg dieser Linie.