Angedacht

Aus meinem Sommerurlaub habe ich dieses Jahr einen Hoptimisten mitgebracht, gefunden in einem Designmuseum. 

Die Hoptimisten kommen eigentlich aus Dänemark, dort entstanden sie in den 1960er Jahren in der Werkstatt des Holzdrechslers Hans Gustav Ehrenreich. Heute gibt es sie in allen möglichen Materialien und Farben. Was immer gleich ist, ist die Form: runde lächelnde Figuren, deren Kopf auf einer langen Feder lustig auf- und abhüpft und bei denen, die ihnen zuschauen, ein Lächeln hervorruft.

Hoptimist*innen. Hopsender Optimismus. „Optimismus“, sagt Wikipedia, „ist eine zuversichtliche, hoffnungsvolle Haltung angesichts der Zukunft“. 

Und das Wort Hoffnung kommt von „hüpfen“. Klingt lustig, ist aber wahr. Das Wort „hoffen“
hat seinen Ursprung in „hopen“ – hopsen, hüpfen. 

Ich finde es gut, vom hüpfenden Hoptimisten an die Hoffnung erinnert zu werden.

In Psalm 18 der Bibel steht der Vers: „Mit Gott kann ich über Mauern springen“.

Im tiefen Sinne optimistisch zu sein, heißt ja, zu wissen, dass es im Leben nicht immer einfach ist. Dass es schwierige Situationen gibt, dass auch Traurigsein und Dinge, die nicht gelingen, dazugehören. Dass es manchmal Mauern gibt, die mir im Weg stehen – außen oder in mir drin. 

Der tiefe, lebensbejahende, hoffnungsvolle Optimismus weiß: Manchmal braucht es viel Mut, Geduld, Zeit, einen Haufen Kraft, Hilfestellungen und viele neue Anläufe, um eine Mauer zu überwinden. 

Hoffen hat mit Bewegen zu tun. Hopen, hopsen, hüpfen, springen… Wenn ich hoffe, dann hüpfe ich aus der Gegenwart hinaus in das, was noch nicht da ist, aber gut sein kann. So wie der Kopf des Hoptimisten, der auf der Feder nach oben hüpft.

Und wer weiß, vielleicht lassen sich die Hoffnungskräfte genauso trainieren und stärken wie die Muskelkräfte beim Hochsprung-Training. Das ist tief theologisch: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“. 

Viele biblische Geschichten erzählen, dass Mauern-Überspringen wesentlich zu Gott gehört. Gott ist voller Ungeduld, Menschen ins Freie zu führen und Mauern zu überwinden, die voneinander trennen.

„Der biblische Gott ist ein zum Sprung in die Freiheit verhelfender Gott.“ hat der Philosoph Wolfgang Dietrich mal gesagt.

Die Hoffnungs-Bewegungen lassen sich besser in Gemeinschaft trainieren als allein. Die Lutherkirche und unsere Gemeinde sind ein guter Ort dafür. Dass wir uns gegenseitig erinnern an die Sprungkraft, die in jedem Menschen steckt, auf unterschiedliche Weise, und uns dazu verhelfen, Hoptimist*innen zu werden. Mit einem Optimismus, der die Realität der Welt ehrlich wahrnimmt und eben darin festhält an dem, was auch sein kann: Ein Zusammenleben in bunter Vielfalt, demokratisch, solidarisch, frei und liebevoll. Amen.

– Miriam Haseleu